Minecraft – Die Konsolenversion im Test

10. Juni 2015 um 15:32 Uhr

2009 beglückte Mojang PC-Zocker mit der ersten Alpha-Version ihres Sandboxspiels “Minecraft” und seit 2012 (XBox 360) beziehungsweise 2013 (PS3) kann man auch auf der Konsole aus dem Nichts sich eine eigene Welt erschaffen. Neben weiteren Versionen für Smartphones und Handhelds können auch Spieler mit einer PS4 oder einer XBox One in einer 3D-Welt mit Klötzen ihre Träume erbauen. Getestet wurde von mir die PS3-Version, wobei bis auf wenige Ausnahmen alle Konsolenversionen gleich sind.

Wieso sollte man sich die Konsolenversion kaufen, wenn man Minecraft schon auf dem PC hat? Der Funktionsumfang ist zwar geringer, aber für spaßige Stunden zwischendurch bieten Minecraft auf einer Konsole trotzdem noch genug Abwechslung. Wie bei vielen anderen Sandboxspielen zählt aber auch bei Minecraft die Lanzeitmotivation und deswegen erscheint auch der Test zum Spiel erst jetzt und nicht schon vor Monaten. Ich konnte das Spiel inzwischen seit knapp 1,5 Jahren spielen und bin noch immer motiviert. Das Spielen einer “alten” Welt, aber auch das Erkunden einer neuen Welt und das Aufbauen der ersten Grundlagen ist noch immer spannend und fesselt über Stunden. Gemeinsam mit Freunden vor einem Fernsehgerät macht Minecraft zudem auch sehr viel Spaß und das ist einer der ersten Unterschiede zur PC-Version. Im Splitscreen kann man entweder gegeneinander oder miteinander sich den Unannehmlichkeiten der Welt stellen und Festungen finden oder Monster bekämpfen.
Wie die PC-Version erhalten auch die Konsolenableger regelmäßig Updates, sie sind aber immer einige Versionen hinterher, was sich zum Beispiel durch fehlende neue Steintypen zeigt, aber dazu später noch mehr.

Das prinzipielle Spielprinzip ist bei allen Versionen gleich: Man startet in einer zufällig generierten Welt, wobei man auch einen Seed eingeben kann, der eine bestimmte Welt generiert. Der Zufallszahlenalgorithmus ist dabei Abhängig von der verwendeten Version. Seeds, die in der Computerversion 1.8 funktionieren, erzeugen eine andere Welt auf der Konsolenversion, da diese das Update 1.8 noch nicht erhalten hat. Im Internet finden sich aber trotzdem genügend Seeds für die verschiedenen Ableger, aber auch der Zufallszahlenalgorithmus erzeugt häufig beeindrückende Welten.
Wird man zu Beginn des Spiels gespawnt, sollte man, wenn man nicht gerade auf der SChwierigkeitsstufe “friedlich” spielt, schleunigst erste Rohstoffe für den Hausbau suchen. Mit der bloßen Hand fällt man Bäume und verarbeitet das Holz zu Brettern und diese Bretter nutzt man weiter. Die ersten Werkzeuge werden an einer Werkbank gefertigt und man baut sich langsam erste Vorkehrungen für die Nacht auf. Sobald es dunkel wird, aber auch in dichten Wäldern oder in Höhlen, erscheinen Monster, die ohne Waffen schnell den Tod bedeuten.

Grafik
Splitscreen Minecraft Im Vergleich zur PC-Version ohne Erweiterungen sieht die Konsolenversion besser aus, aber nur auf der PS4 und der XBOX One kann man wirkliche Fortschritte erkennen. Werden Shader oder Texturen für die Computerversion von Minecraft installiert, können aber auch PS4 und XBox One nicht mithalten. Die Möglichkeit des Aufhübschens gibt es aber auch auf den Konsolen, wenn auch nur über kostenpflichtige Texturen – und Skinpakete. Modifikationen, wie sie von PC-Usern gern genutzt werden, gibt es hingegen überhaupt nicht. Im Multiplayer kann man zwar über das Internet anderen Spielern beitreten, aber dort auch nur sehr eingeschränkt abseits vom eigentlichen Spielprinzip agieren.

Steuerung, Sound & Gameplay

Die auf den Controller angepasste Steuerung geht gut von der Hand, aber einige Abstriche muss man trotzdem machen: Laufen und Ducken ist zwar möglich, aber nicht sprinten und die Schnellauswahl ist zwar vorhanden, aber man kann nicht einfach mit den Nummerntasten zwischen den ausgewählten Elementen wechseln, sondern muss umständlich mit den Schultertasten arbeiten. Da am Controller schlicht und einfach wesentlich weniger Tasten vorhanden sind, waren diese Einschränkungen aber von vornherein unumgänglich. Das Crafting wurde diesen Gegebenheiten auch angepasst und das altbekannte Craften nach Rezepten fällt völlig weg. Die einzelnen End – und Zwischenprodukte sind in verschiedenen Kategorien einsortiert und werden nur ausgewählt. Ein Feld, in dem die Zutaten hineingelegt werden, gibt es nicht. Für Neulinge ist dieses System praktisch, aber wenn man ohnehin alle Rezepte auswendig kennt, ist es eher umständlich und störend. Noch dazu sind nicht alle herstellbaren Gegenstände sinnvoll eingeordnet und so verbringt man auch mal einige Minuten bei der Suche nach der richtigen Kategorie.

Bauten in MinecraftSoundtechnisch hat sich hingegen nichts geändert: Die Tiere machen arttypische Geräusche, das Steinabbauen wird vom Klopfen der Spitzhacke untermalt und für das Laufen über verschiedene Oberflächen gibt es verschiedene Soundfiles. Ab und zu wird ruhige Musik eingespielt und wenn man das erste Mal einen Enderman hört, kann man es schon einmal Angst bekommen. Insgesamt ist die Abmischung stimmig, aber eine durchgängige, vielleicht auch separat abschaltbare, musikalische Untermalung wäre kein Nachteil.

Wie weiter oben schon erwähnt, sind die Minecraft-Versionen für Konsolen nicht auf den gleichen Stand wie die auf dem PC und damit fehlen einige Dinge, die Computer-Zocker schon genießen können. Blöcke, wie Granit oder Diorit sind noch nicht implementiert und auch Unterwassertempel sucht man derzeit noch verzweifelt. Der Nether und das Ende sind aber schon von Anfang an verfügbar und einfache Redstone-Schaltungen kann man auch erstellen. Der größte Unterschiede zwischen Computer – und Konsolenedition ist aber die Begrenztheit der Welt. Ist die Minecraftwelt am Computer unendlich, ist sie in der Konsolenedition auf 864×864 beschränkt. Dies klingt zunächst groß, aber wenn man sie erst einmal komplett erkundet hat, können fehlende Dörfer zum Beispiel sehr stören. Da die Welt nicht ständig erweitert wird, ist eine Weltkarte ohne Dörfer eine Weltkarte ohne Dörfer und man kann nicht, wie am PC, die Welt weiter erkunden und vielleicht doch noch ein Dorf finden. Zudem ist die Welt einfach abgeschnitten. Auf der Suche nach wertvollen Ressourcen kann es also dazu kommen, dass man die Ressource zwar findet, sie aber nicht abbauen kann, da sie hinter einer unsichtbaren Linie ist.

Fazit

Von Minecraft kann man halten, was man will, aber das Spiel ist ein voller Erfolg und begeistert auch noch Jahre nach der Veröffentlichung die Spieler. Durch diverse Updates wird es immer weiter verbessert und auch auf den Konsolen weiß das Sandboxspiel zu begeistern. Wer Minecraft noch gar nicht kennt, sollte sich vor dem Kauf die Demoversion herunterladen und Spielekenner sollten sich überlegen, ob sie mit den Abstrichen leben können. Wenn man keine unendliche Welt und einige neueren Features (noch) nicht benötigt, erhält man aber eine sehr gute Konsolenumsetzung. Das Sandboxspiel von Mojang richtet sich an alle Altersklassen, man benötigt aber Fantasie und Ehrgeiz um die kahle Welt nach seinen Wünschen zu verändern. Vorgegebene Ziele oder Quests wird man bei Minecraft nicht finden, aber genau diese Freiheit begeistert seit Jahren die Spieler.