Amazon FireTV Stick – Konkurrenz für Google Chromecast?

17. April 2015 um 13:16 Uhr

Seit Mittwoch ist der Amazon FireTV Stick auch endlich in Deutschland auf dem Markt und tritt in direkte Konkurrenz zum Google Chromecast. Der kleine Alleskönner verkaufte sich in den vereinigten Staaten, in denen er seit letzten Herbst erhältlich ist, hervorragend, aber sind die deutschen Verbraucher auch von der Qualität, dem Funktionsumfang und dem Preis überzeugt?

Der FireTV Stick wurde durch Amazon via Newsletter und auch direkt auf der Amazon Startseite beworben und Amazon selbst versprach eine einfache Anwendung und einen großen Funktionsumfang. Prime Kunden konnten den Stick für 19 Euro vorbestellen und einige erhielten ihn schon am 11.April und somit 4 Tage vor der offiziellen Markteinführung in Deutschland. Der Stick kommt vorkonfiguriert nach Hause und ist standardmäßig mit dem Kundenkonto verknüpft von dem er bestellt wurde.

Lieferumfang

SmartTV StickDie Umverpackung vom FireTV Stick ist amazontypisch: Unter der gräulichen Verpackung befindent sich eine Schiebeverpackung und unter dieser der schlichte schwarze Karton, in dem der Stick samt Zubehör gut geschützt Platz finden. Wer schon ein anderes Produkt aus dem Amazon Produktkatalog besitzt (Kindle, FirePhone) wird Gemeinsamkeiten erkennen können. Im Lieferumfang ist neben dem Stick an sich ein Netzstecker für die Stromversorgung, ein Stromkabel (Mikro-USB), ein HDMI-Extender-Kabel, eine Fernbedienung, zwei Batterien für die Fernbedienung und eine Kurzanleitung enthalten. Die Kurzanleitung hat ihren Namen mehr als verdient, was aber nicht weiter schlimm ist, da bei der Erstverwendung des Sticks automatisch eine Videoanleitung startet. Alle Komponenten wirken trotz der ausschließlichen Verwendung von Plastik hochwertig.

Hardware
Anders als der Google Chromecast erhält man als Kunde nicht nur den Stick, sondern direkt eine Fernbedienung, wobei die Steuerung über eine App für viele Verwender wohl wesentlich angenehmer ist. Außerdem übertrumpft der Stick von Amazon den Chromecast in Sachen Arbeitsspeicher, Prozessor und Flash-Speicher. Der Arbeitsspeicher ist doppelt so groß beim FireTV Stick (1GB) und der Flash-Speicher ist viermal so groß (8GB anstatt 2GB). Zudem arbeitet im FireTV Stick ein Dualcore-Prozessor und auch die WLan-Empfangsleistung ist auf dem Papier besser. Insgesamt ist der Multimedia-Stick von Amazon der Konkurrenz überlegen, kostet aber ohne Primemitgliedschaft auch etwas mehr.

Funktionsumfang
Nachdem man die Ersteinrichtung vorgenommen hat und das Wlan am Stick eingerichtet wurde, kann es schon losgehen. Durch die automatische Verknüpfung mit dem Amazonkonto kann man direkt auf alle gekauften Musikalben – und Singles und auf die in der Cloud befindlichen Bilder zugreifen. Über den Amazon App Store kann man sehr einfach Spiele und Apps downloaden. Dabei sollte man darauf achten, dass einige Spiele nur mit dem Controller gespielt werden können und dieser separat erworben werden muss. Die Navigation im Menü erfolgt sehr flott und es sind keine störenden Ladezeiten bemerkbar. Auf der linken Seite sind in einer Sidebar alle Funktionen kategorisiert aufgelistet und auf dem übrigen Bildschirm sind Kacheln, die eine Vorschau über die ausgewählte Kategorie zeigen, zu sehen. Die Fernbedienung ist recht klein und wirkt zunächst gewöhnungsbedürftig, aber mit ihr kann man flott die gewünschten Filme auswählen oder in Musikalben blättern. Wer es etwas komfortabler möchte, kann sich die “Fire TV Fernbedienungs-App” runterladen. Diese ist für Fire, Android und iOS verfügbar. Mit ihr kann man nicht nur den Stick bequem über das Smartphone bedienen, sondern auch eine gut ausgereifte Sprachsuche verwenden. Nuscheln, Dialekte oder undeutlich ausgesprochene Wörter erkennt die Software problemlos und damit entfällt die gekünstelt möglichst korrekte Aussprache von Filmtiteln. “Ik enfasch unfairbässerlisch zwe” wurde, wie “Ich – Einfach unverbesserlich zwei” ohne Probleme erkannt.
Der Stick richtet sich vorrangig an Prime Kunden, die mit ihm den einfachen Zugriff auf Prime Instand Video realisieren können. Außerdem unterstützt der Stick noch andere Mediatheken und kann via App auch auf Netflix, Laola1.tv oder ServusTV zugreifen. Durch den geringen Stromverbrauch ist er für Konsolenbesitzer die ökologischere und geldsparende Alternative, aber SmartTV-Besitzer werden kaum einen Verwendungszweck für den Stick finden. Inzwischen gibt es für die meisten Fernsehgeräte passende Erweiterungen, mit denen man auch auf Prime Instand Video oder Zattoo zugreifen kann. Bei den verfügbaren Spielen ist für fast jeden Geschmack zwar etwas dabei, aber die Ladezeiten beim Start von Spielen verderben den Spielspaß gehörig. Außerdem reagiert die Steuerung bei einigen Spielen verzögert, was für Frustmomente sorgen könnte. Amazon versorgt den Stick aber kontinuierlich mit Updates, weswegen dieses Problem zukünftig behoben werden könnte. Ein weiterer Pluspunkt für den Stick ist die “Advanced Streaming and Prediction”-Funktion (ASAP). Durch die häufige Verwendung des FireTV Sticks lernt er den Nutzer kennen und weiß schon vorher, welche Serie oder welcher Film geschaut werden könnten. Der Stick bereitet potentielle Filme für das Anschauen vor, weswegen es beim Start des Films zu keinerlei Wartezeit kommen soll. In der Praxis konnte diese Funktion natürlich noch nicht getestet werden, aber auch ohne diese Funktion starten ausgewählte Serien oder Filme angenehm flott. Wer nicht gerade Glasfaser oder DSL 50’000 hat, wird angenehm überrascht sein. Bei der Verwendung von Prime Instand Video über andere Geräte (PlayStation3, Laptop, PC usw.) kann es bei einer geringeren Datenübertragungsrate zu unerwünschten Ladezeiten kommen. Bei meinen Tests konnte ich jeden Film und jede Episode einer Serie entweder ohne oder nach kurzer Ladezeit (2 Sekunden) genießen, was bei meiner Internetleitung schon ein kleines Wunder ist. Je nach Endgerät können Filme und Serien in bis zu 1080p (Full-HD) gestreamt werden. Höhere Auflösungen sind aber derzeit noch nicht möglich, wobei allgemein der Streamingdienst von Amazon keine höhere Darstellung unterstützt.

Fazit
Wer Amazon Prime Kunde ist und noch keinen FireTV besitzt, sollte sich die Anschaffung des FireTV Sticks überlegen. Sowohl die Einrichtung, als auch die Verwendung sind kinderleicht und bekannte Funktionen (Kindersicherung) findet man auch beim Stick wieder. Durch die gute Hardware holt man auch aus einem schlechten WLan-Signal noch gute Ergebnisse heraus und im täglichen Gebrauch arbeitet der Stick angenehm schnell. Leider sind nicht alle Spiele für den Stick geeignet und durch die verzögerte Eingabe sind manche Spiele unspielbar. Die Sprachsuche über die kostenlos erhältliche App ist hervorragend, tröstet aber nicht über die schwammige Bedienung via mitgelieferte Fernbedienung hinweg. Vor allen die Navigation über den “Steuerkreis” ist anfangs ungewohnt und die Druckpunkte muss man zu Beginn eher erahnen, als das man sie spüren könnte. Wer schon Prime Kunde ist oder häufig in Medietheken unterwegs ist, sollte einen Vergleich mit Chromecast und Co. nicht scheuen, sich aber auch darüber bewusst sein, dass der Stick fast nichts kann, was man in modernen SmartTVs nicht auch vorfindet. Die Möglichkeit Smartphone-Spiele über den Fernseher zu spielen, lockt wohl nur die wenigsten Käufer an, aber als Streamingstick kann der Amazon FireTV Stick durchaus überzeugen. Je nachdem welchen Steaminganbieter man bevorzugt, muss der FireTV Stick die erste Wahl sein.