The Forest – Early Access zum Gruseln

25. Juni 2014 um 21:42 Uhr

Du sitzt im Flugzeug. Es ist menschenleer und vor dir flimmert auf dem Monitor irgendein Bild. Du drehst dich zur Seite und siehst ein Kind. Dein Kind? Wohin geht der Flug? Wieso ist außer dir und dem Kind niemand hier? Über all diese Fragen kannst du nicht lange nachdenken: Das Flugzeug gerät in Turbulenzen. Du klammerst dich so fest es geht an deinem Sitz und blickst besorgt zur Seite. Die vordere Hälfte der Maschine bricht weg. Du siehst noch wie sich das Flugzeug einem Wald in beängstigender Geschwindigkeit nähert, bevor du ohnmächtig vom Aufprall wirst. Als du aufwachst, siehst du noch, wie ein offenbar Wilder das Kind wegträgt. Du richtest dich unter Schmerzen auf und verlässt das Flugzeug und findest dich in einem Wald wieder. Es ist nicht irgendein Wald, sondern „The Forest“. So beginnt das derzeit sehr populäre early access gleichnamige Spiel, welches ich für euch getestet habe.

Flüge mit Billig-Airlines können mitunter der Horror sein, doch das von SKS Games entwickelte Indie-Survival-Horror-Spiel “The Forest” beweist, was es wirklich heißt, wenn ein Flug zum Albtraum wird. Man finden sich in diesem First-Personen-Spiel ohne große Vorgeschichte in einem Wald wieder, in dem es außer wilden Eingeborenen nichts zu geben scheint. Hat man den ersten Schock überstanden, geht es daran Ressourcen zu sammeln und den potentiellen Feinden aus dem Weg zu gehen. Diese laufen täglich scheinbar gut durchdachte Patrouillenrouten ab und verständigen sich mit einer Art “Schrei-Sprache”, die Ähnlichkeit mit manchen Tönen hat, die einige Vogelarten von sich geben. Die ersten Begegnungen mit den Eingeborenen müssen dabei aber nicht einmal in gewaltsamen Auseinandersetzungen enden, denn einerseits greifen die Späher zunächst nur an, wenn man selbst eine Waffe hat und außerdem kann man die ersten Konfrontationen mit dem gezielten Einsatz von Feuer entschärfen.

Das Problem in den ersten Spielstunden sind auch nicht hauptsächlich die Eingeborenen, sondern die Suche nach Ressourcen und einem guten Platz für das eigene Lager. Zwischen einfachen Jägerunterschlüpfen bis zu selbstentworfenen Holzhütten liegen viele Stunden des Bäumefällens und durch diverse Bugs wird das Überleben auch nicht gerade einfacher. Wo das Wort Bugs fällt, kommt man auch nicht drumhin zu erwähnen, dass es sich bei “The Forest” um eine sehr frühe Alpha handelt. Derzeit kann man bei Steam für rund 15 Euro die Version 0.02 erwerben.

Spielerische Möglichkeiten
Wer schon immer einmal Minecraft realitätsnaher mit wirklichen Horrorelementen spielen wollte, sollte sich “The Forest” wirklich anschauen. Das derzeit schon implementierte und verwendbare Survivalbuch, was auch als Craftingnachschlagewerk fungiert, lässt erahnen, was in späteren Versionen noch alles hinzugefügt wird. Derzeit ist aber auch schon eine Menge möglich. Man kann nicht nur Bäume fällen und sich daraus eine Behausung, Fallen oder Beete bauen, sondern auch das Anfertigen von Molotowcocktails und Flößen ist derzeit schon im Spiel enthalten. Das Bäumefällen ist zudem sehr nett animiert und das man nicht nur, wie bei anderen hochpreisigen Spielen auf einen Baum einschlägt bis er umfällt, sondern das man richtige Einschlagkerben sieht, machen das Spiel zu etwas Besonderen. Zu Beginn sollte man sich mit etwas kleineren Begnügen, da man zwar mehrere Bäume hintereinander fällen kann, aber die Baumstämme mitunter ein merkwürdiges Eigenleben haben und man später erst länger suchen muss um sie wiederzufinden. Der Protagonist kann zwei Stämme gleichzeitig tragen und um sich den späteren Baum von einer Blockhüte zu erleichtern, kann man sogar einen Baumstammhalter craften. Abgesehen von den bereits genannten kann man sich fast alles, was einen in den Sinn kommt, wenn man an Survival denkt, bauen. Auf der Suche nach Nahrung fallen einem zudem merkwürdige Möglichkeiten der Verwendung von Leichenteilen auf: Effigies. Diese kann man selbst auch bauen und sollen der Abschreckung von Eingeborenen dienen. Zum weiteren Schutz gegen Angriff vor ihnen kann man sich zudem aus der Haut von Waranen eine Art Panzerung machen, wobei ich mir gar nicht vorstellen will, wie genau das funktionieren soll.
Der Survivalfaktor ist damit zu genüge untermauert, aber was bietet das Spiel sonst noch? Denkt man an den Anfang, könnte das Ziel auch das Finden des Kindes sein. Im Spielverlauf stößt man, wenn man einmal von den Eingeborenen geschnappt wird, ziemlich schnell auf die Überreste von anderen Passagieren. Bei der ersten Niederlage gegen die Gegner wird man von ihnen nämlich nicht getötet, sondern in eine Höhle verschleppt und dort hängen und liegen nicht wenige Leichen. Woher diese stammen, wird nicht geklärt. Wie wir uns erinnern, waren wir eigentlich alleine im Flugzeug und doch finden wir Leichen von scheinbaren Mitreisenden. Ob die Entwickler noch eine Erklärung dafür einbauen, ist nicht sicher, aber zumindest könnte man es hoffen.
Kommt man nach vielen Spielstunden halbwegs zurecht, hat eine sichere Basis und genug Vorräte, kommt aber der wirkliche Horror. Es gibt nicht nur einige Tiere, wie zum Beispiel Kaninchen, Warane, Vögel und Haie und Eingeborene, sondern der Wald behergt auch merkwürdig anmutende Mutanten, die übermenschliche Fähigkeiten besitzt. Die mühsam errichteten Schutzwalle werden in Sekunden zu Kleinholz und man verliert immer mehr den Mut dieses Spiel wirklich durchzuspielen.

Grafik
Grafisch kann sich das Spiel wirklich sehen lassen. Vor allen die Baummaserungen, aber auch die Reflektionen auf dem Wasser können sich sehen lassen. Das Gegnerdesign ist hingegen etwas unausgereift. Hat man mal Zeit sich seine Kontrahenten genauer anzusehen, dann fällt schnell auf, dass neben äußeren Geschlechtsmerkmalen bei den Männern noch mehr Merkmale fehlen, die den Unterschied zwischen Mensch und Pappaufsteller ausmachen würden. Hier sehe ich persönlich noch Verbesserungspotential, wenn auch es weniger ins Gewicht fällt, ob der nach den eigenen Leben trachtende Feind grafisch hochauflösend oder nur ein Haufen Matsch ist: Tödlich kann beides sein, also sollte man nicht zu viel Zeit damit verschwenden die Makel zu suchen und im Zweifel die Beine in die Hand nehmen.

Bugs

Selbstverständlich gibt es in einer solch frühen Alpha noch einige Bugs. Die Eingeborenen laufen am Meeresboden oder klettern ohne Mühe Klippen hinauf. Die Speicherfunktion soll mit dem neusten Patch zwar funktionieren, aber auch jetzt kann es zu Fehlern kommen. Unfertige Bauten oder das Inventar können auch in der derzeitigen Version verschwinden beziehungsweise nach dem Laden verbuggt sein. Vögel, die scheinbar in Schritttempo umherfliegen, kann man bei diversen Let’s Playern auch sehen, wobei ich dieses Phänomen noch nicht hatte, aber vielleicht war ich auch immer nur an den Vogelautobahnen unterwegs. Hingegen schon selbst erlebt habe ich, dass ich die Meldung bekam, dass ich keinen weiteren rohen Fisch tragen kann, obwohl ich überhaupt gar keinen hatte und auch nicht aufnehmen wollte. Last but not least: Schaut man sich den Schatten unserer Spielfigur an, so stellt man fest, dass dieser scheinbar keinen Kopf hat. Das würde dann auch erklären, warum man, trotzdessen das man gut zielt, Eingeborene oder Tiere nicht immer trifft. Ohne Kopf und damit ohne Augen ist das Zielen wahrlich erschwert. Unspielbar machen diese Bugs das Game aber nicht, weswegen mein Fazit wie folgt lautet.

Fazit

Zum derzeitigen Zeitpunkt ist noch nicht ganz absehbar, wohin die Entwickler mit dem Spiel wollen. Trailer versprechen eine Mischung aus Horror und Survival, wobei derzeit nur die Survivalaspekte sehr gut eingearbeitet sind.
Ich hoffe, dass die alle Fragen am Ende beantwortet werden und es nicht nur so ist, dass man den ganzen Absturz nur geträumt hat und am Ende vom Spiel von seinem Sohn geweckt wird, weil das Flugzeug am Urlaubsort angekommen ist.
Die derzeit 15 Euro sind aber für alle, die gerne Bauen, Suchen, Kämpfen und sich verstecken gut angelegt und man erhält stundenlangen Spielspaß, aber auch herbe Frustmomente, wenn man zum Beispiel kurz vor der Vollendung der eigenen vier Wände von Eingeborenen getötet wird. Das ist doppelt ärgerlich, da man nicht nur vom letzten Speicherpunkt beziehungsweise von vorne anfangen muss, sondern die Eingeborenen sind augenscheinlich auch noch Kannibalen. Wer möchte nicht einsam in irgendeinem Wald sterben und von Wilden gefressen werden? Also ich zumindest nicht, weswegen ich gleich noch eine Runde “The Forest” spielen werde und hoffentlich beweise, dass auch zivilisierte Menschen mit einem “BIC”-Feuerzeug nicht ganz alleine im Wald mehr als überleben können.