Raspberry Pi: Einplatinencomputer auch für Anfänger?

24. Mai 2014 um 21:43 Uhr

Seit dem Zeitpunkt, als das erste Modell von Raspberry Pi auf dem Markt gebracht wurde und heute, hat sich viel getan und der Einplatinencomputer hat auch abseits von technisch interessierten Menschen einen neuen Markt geschaffen. Was Anfangs als günstige Möglichkeit für das erste Sammeln von Kenntnissen über das Programmieren und die Beschäftigung mit grundlegenden Hardwareelementen gedacht war, wird inzwischen von immer mehr Leuten als günstige Steuereinheit für die Innen – und Außenbeleuchtung oder als Mediencenter genutzt. Doch wie viel muss man wirklich selbst “können” um diesen Minicomputer auch für das gewünschte Einsatzgebiet zu verwenden?
Lohnt sich der Kauf und die Zeit, die man investieren muss?

Bedenkenlose KaufempfehlungEins vorweg: Wer sich mit Computern und deren Hardware auskennt, kann bedenkenlos zum Raspberry Pi greifen und sich seine Wunschfunktion mit etwas Einlesezeit schnell erfüllen. Für all die ist dieser Testbericht aber eher ungeeignet. Kann ein absoluter Anfänger aber auch ein einfaches Mediencenter in kürzester Zeit realisieren oder sollte man lieber zu anderen Einplatinencomputern greifen oder direkt andere Produkte (Smart TV, Mediencenter auf der heimischen Spielekonsole) vorziehen?

Hardware
Der Raspberry Pi ist in Deutschland in zwei Ausführungen erhältlich, die sich technisch in einigen Punkten unterscheiden. Je nach Einsatzgebiet kann man beim etwas schwächeren Modell ein paar Euro sparen.

Taktfrequenz Arbeitsspeicher USB-Ports HDMI Lan-Anschluss Preis (inkl. Versand)
Modelltyp A 700 MHz 256 MB 1 Ja Nein Ab 28 €
Modelltyp B 700 MHz 512 MB 2 Ja Ja Ab 35 €



Zubehör und Einrichtung
Fernab von den möglichen Funktionen als Server, Steuerung für diverse Geräte, wie zum Beispiel Hausbeleuchtung, ist für viele der Raspberry Pi eine günstige Alternative für herkömmliche Mediencenter. Möchte man den Minicomputer als solches verwenden, benötigt man selbstverständlich noch Eingabegeräte und geeignete Boxen. Geht man davon aus, dass man den Raspberry Pi nur per SD-Karte mit Musik oder Filmen versorgen will, kann man zum etwas günstigeren Modelltyp A greifen. Ein Set aus Maus und Tastatur bekommt man meistens schon für 15 Euro und möchte man sich nur nebenbei berieseln lassen, reichen im Monitor verbaute Lautsprecher. Einen Monitor kann man bequem per HDMI anschließen oder direkt seinen Fernseher anschließen. Alle Raspberry Pi Modelle unterstützen die Wiedergabe von Videos in 1080p (Full HD). Falls im Lieferumfang kein Netzteil enthalten ist und man nicht immer Batterien für den Betrieb verwenden möchte, sollte man den Kaufpreis eines Netzteils in seine Berechnungen mit einbeziehen. Geht man davon aus, dass man dies nicht benötigt, ist man mit dem Modelltyp A samt Maus, Tastatur, HDMI-Kabel für den Anschluss an einem Fernseher und einer 4GB SD-Karte bei ungefähr 50 Euro. Da 4GB aber nicht wirklich bequem sind, wenn man hochauflösende Filme schauen möchte, wäre ein USB-Wlan-Modul eine praktische Ergänzung. Die Aufrüstung ist für unter 10 Euro machbar, wobei man trotzdem eine sehr gute Empfangsstärke hat.

Hat man alle benötigten Produkte beisammen, geht es an die Einrichtung des Betriebssystems. Es gibt im Internet diverse an verschiedenste Einsatzgebiete angepasste Varianten, deren Installation selbsterklärend ist beziehungsweise auf Videoplattformen unterstützende Erklärungen verfügbar sind.
Sind diese Schritte geschafft, hat man für wenig Geld sein eigenes Mediencenter. Wohnzimmertauglich ist dies dann aber noch nicht, aber auch dafür ist gesorgt. In sehr vielen Onlineshops sind mitunter sehr kreative Cases für den Raspberry Pi käuflich erwerbbar und auch sonst ist die Zubehörpalette fast unüberschaubar groß. Selbstverständlich gibt es auch Komplettsets, welche das umständliche Heraussuchen und bestellen der einzelnen Komponenten erübrigen. Wer hingegen ab und zu ressourcenaufwendigere Programme laufen lassen möchte, sollte sich lieber nach anderen Minicomputern umschauen. Als ernsthafte Konkurrenz ist hierbei zum Beispiel der im Komplettset erhältliche ODROID Minicomputer zu nennen, den man aus Deutschland für 105,98 Euro bestellen kann. Der Versand aus Deutschland hat immer den Vorteil, dass es schneller geht und man bei Garantieansprüchen einen direkten Ansprechpartner hat. Im Set sind schon ein Case und die Stromversorgung enthalten, wobei man auch hier für den Betrieb eine Micro-SD-Karte mit installierten Betriebssystem benötigt. Der von mir herausgesuchte Reseller für das ORDROID bietet zwar auch für 14,99 Euro eine 8 GB Micro SD Karte mit Adapter und vorinstallierten Betriebssystem an, aber für dieses Geld bekommt man meistens schon die doppelte Speichergröße.
Die Werte vom ODROID spiegeln ungefähr wieder, warum zwischen ihm und dem Raspberry Pi doch schon ein erheblicher Preisunterschied liegt.

Taktfrequenz Prozessor Arbeitsspeicher USB-Ports HDMI Lan-Anschluss
1,7 GHz Quad-Core 2048 MB 3 Ja (Micro) Ja



Fazit
Wenn ich daran denke, was mein erster Computer damals gekostet hat und was für dieses Geld verbraucht war, sind diese Werte herausragend. Inzwischen haben aber auch Einsteigersmartphones 1 GB Ram und Dual-Core weswegen wohl auch im Bereich der Minicomputer sich früher oder später die leistungsstärkeren durchsetzen werden, da die preislichen Vorteile zu gering werden.
Allgemein ist auch anzunehmen, dass diese kleinen Computer die herkömmlichen ablösen könnten. Die Platz – und Stromersparnis sind für den Heimgebrauch ein oftmals ausschlaggebender Faktor und designtechnisch bietet ein 5-Euro-Case auch für den kleinen Geldbeutel eine vorzeigbare Rechenmaschine. Selbstverständlich wird solch ein Minicomputer aber eher nicht den Computer von Hardcorespielern oder Grafikern ersetzen, aber für einfache Officeanwendungen und Androidspiele bieten diese Computer eine preisgünstige Alternative.

Was denkt ihr: Sind Minicomputer gute Alternativen oder sogar die Rettung der Computerbranche aus der Krise? Oder sind diese Einplatinengeräte noch zu “nerdig” und ihr bleibt den altbekannten Towern treu?