Mario Kart 8 – Pflichtkauf für die WiiU?

13. Juli 2014 um 13:26 Uhr

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Mit Mario Kart 8 hat Nintendo den derzeitigen Verkaufsschlager für die WiiU veröffentlicht. Nach Anfangs schleppenden Verkaufszahlen stiegen diese nach dem Release vom achten Ableger des Funracers rund um den italienischen Klempner um 600 %. Insgesamt verkaufte sich das Spiel laut Nintendoangaben von Mitte Juni über 2 Millionen Mal, aber Verkaufszahlen sagen noch nichts über das Spiel an sich aus. Ist der Hype gerechtfertigt oder gibt es über zwei Millionen enttäuschte Mariofans?


Lange habe ich überlegt und war nach der Sichtung von Lego City Undercoer auch schon sehr knapp davor, aber erst Mario Kart 8 bewegte auch mich dazu mir eine WiiU zu kaufen. Eine Konsole nur wegen eines einzigen Spiels? Das stimmt nicht so ganz, aber Mario Kart plus die noch bis Ende Juli laufende Aktion, dass man sich mit der Registrierung des Spiels noch ein weiteres Spiel aus einer Auswahl von 10 doch ganz guten Spielen runterladen kann, waren für mich der Kaufgrund. Mit dann zwei Spielen für derzeit rund 300 Euro ist die WiiU zwar kein Schnäppchen und zweifelsohne grafisch die schlechteste der drei Next-Gen-Konsolen, aber wie das Nintendomaskottchenrennspiel schon zeigt, legte Nintendo insgesamt scheinbar größten Wert auf Spielspaß und nicht auf Grafikbomben. Doch hat sich der Kauf auch gelohnt oder ist Mario Kart acht, wie viele andere Ableger, nur irgendeine Fortsetzung und kein Musthave?

Story
Zur Story an sich muss oder besser gesagt, kann man nicht viel sagen, weil es keine gibt. “Glänzen” andere Spiele noch mit einer aufgesetzten Geschichte, dass der Protagonist durch die Krankheit seiner halben Familie in finanzielle Nöte gekommen ist und durch das Rennfahren an Geld kommen muss, steht bei Mario Kart 8 der Spielspaß über allen. Das kann man jetzt zwar als negativen Punkt ansehen, da eine Story das Spiel vorantreibt und wenn gut gemacht, eine Bindung zum jeweiligen Fahrer aufbaut, aber zu den steuerbaren Nintendocharakteren hat man in der Regel schon eine eindeutige Bindung.

Gameplay

Neue Items, neue (freischaltbare) Charaktere und eine gut durchdachte, aber für Kinder auch ziemlich umfangreiche Auswahl an Fahrzeugen, Reifen und Gleitschirmen machen das Rennspiel an manchen Stellen sogar zum taktischen Schwergewicht. Ein ohnehin schon schweres Auto in Kombination mit Bowser ist zwar schwer von der Strecke zu rammen, aber dafür auch umso langsamer. Hier hat Nintendo also merklich auch an ältere Spieler gedacht. Allgemein haben einige Strecken ein gehöriges Frustpotential, was aber durch die drei Schwierigkeitsstufen, welche mit den Klassen 50, 100 und 150 auswählbar sind, abgefedert wird. Die Steuerung kann, wie beim Vorgänger per ins Lenkrad eingesteckte Wii Fernbedienung erfolgen, aber auch mit dem WiiU Gamepad kann man sein Gefährt über die Strecken jagen. Meine bevorzugte Steuerungsmöglichkeit ist aber die Variante mit dem angeschlossenen Nunchuk an der Wii Fernbedienung. Mit diesen alternativen Steuerungen sollte jeder Spieler seine bevorzugte finden und zumindest nicht der Steuerung die Schuld am Versagen geben können. Apropo versagen: Nicht nur der berühmt berüchtigte Regenbogenboulevard hat es wieder ins Spiel geschafft, sondern auch andere aus älteren Teilen bekannte Strecken gibt es auch im neusten Ableger der Serie. Das schafft zwar nostalgische Momente und die Kurse sind auch ansprechend neu gestaltet worden, aber über mehr neue Fahrbahnen hätten sich die Spieler sicherlich auch nicht beschwert.

Du kennst keinen Frust in Videospielen, wenn du noch nie den Regenbogenboulevard in Mario Kart gefahren bist!

Neben den aus früheren Teilen bekannten Gleitern gibt es aber auch Neuerungen: Fährt man an Schrägen oder Decken entlang, verwandeln sich die Reifen automatisch in Schwebedüsen, die das Fahren gegen die Gravitation ermöglichen. Weiterhin gibt es, wie aus den alten Teilen bekannt, Strecken(abschnitte) unter Wasser. Samt unterschiedlicher Gleiter und Reifen kommt man auf insgesamt 58 Einzelteile für die Fahrzeuge, was sicherlich für Kinder die Wahl erschweren wird. Hinzukommt außerdem, dass man sich zwar im ersten Schritt sein bevorzugtes Fahrzeug auswählt, aber mit der Reifen – und Gleiterwahl ändern sich wieder alle Eigenschaften, wie Geschwindigkeit und Gewicht. Je nach Strecke kann ein zu hohes Gewicht über Sieg oder Niederlage entscheiden, weswegen die Fahrzeugwahl mitunter auch schon einmal einige Minuten dauern könnte.
Ein Feature, welches in den früheren Teilen gegeben war, gibt es im neusten Ableger leider nicht mehr: Die Streckenkarte samt Gegner ist nicht mehr für alle sichtbar, sondern wird nur auf dem WiiU Gamepad angezeigt. Der Gamepadnutzer hat somit unter Umständen damit einen entscheidenden Vorteil. Vor allen beim Spielmodus “Schlacht”, bei dem jeder Fahrer drei Luftballons am Auto hat, die man zerstören muss, wäre es hilfreich zu wissen, wo die Gegner überhaupt sind. Ein weiteres Manko könnte für viele Spieler die insgesamt geringer Auswahl an Strecken samt Spielmodi sein. Bis auf die bekannten Cups, gibt es nur noch Onlinemodi, Zeitrennen und die Variante “Schlacht”. Dafür gibt es aber ein sehr interessantes neues Feature und zwar kann man sich nach dem Rennen die Highlights in einem kleinen Video äußerst actionreich und spaßig zusammengeschnitten anschauen. Diese Videos kann man auch mit Miiverse oder direkt bei YouTube hochladen. Damit sind besonders gelungene Manöver für die Ewigkeit archiviert.
Nicht nützlich, aber dafür auch witzig: Wenn man hupt, springen die anderen Fahrer vor Schreck auf und schauen bei der wiederholten Verwendung dieser sauer zum Lärmverursacher. Insgesamt beschränken sich die Neuerungen somit auf Fahrzeugteile und spielbare Figuren, aber für einen spaßigen Mario Kart Abend reicht das Gegebene locker aus.

Grafik
GrafikMarioKartGrafisch sieht man, was die WiiU alles bieten kann: Wunderschöne Wassereffekte wechseln sich mit staubigen Wüsten ab, bei denen man die Hitze auf der Fahrbahn sieht. Die Full-HD-Optik wirkt dabei aber auch nie übertrieben oder, wie bei anderen Next-Gen-Spielen, aufgesetzt. Der Style passt zum Spiel und wirkt authentisch aufpoliert. Die Charaktermodelle sind ansprechend gestaltet und jede Figur verfügt über eigene Animationen. Fährt man mit seinem Fahrzeug zudem durch Schnee oder über Sand, so hinterlässt man deutliche Spuren und die Räder werden durch den Untergrund dreckig.

Sound

Neben den spielfigurentypischen Ausrufen macht das Spiel nicht viel falsch, aber auch nicht alles richtig. Man hört die unterschiedlichen Fahrzeuge klar heraus, aber manche klingen dann doch etwas zu lasch. Der Streckenmusik wurde von einem live Orchester aus Japan eingespielt und passt immer sehr gut zum Erscheinungsbild der jeweiligen Strecke. Als witziges Gimmick hat zudem jedes Fahrzeug eine andere Hupe.

Fazit

Ich denke, dass das Wort Pflichtkauf hier angebracht ist. Mit Mario Kart bekommt man zwar kein innovatives Spielerlebnis, aber man bekommt für sein Geld Spielspaß en masse und durch die freischaltbaren Fahrer und Fahrzeugteile ist auch für Langzeitmotivation gesorgt. Im Singleplayer hat das Spiel zwar seine Schwächen, aber vor allem in der Gruppe sorgt das Spiel neben sehr lustigen Momenten, auch für den ein oder anderen Wutausbruch. Wenn die Tochter den Vater kurz vor der Ziellinie mit einem grünen Panzer von der Strecke fegt, fühlt man sich nicht selten in Kindheitstage zurückversetzt und möchte das Gamepad in die Ecke werfen. Allein dafür muss man Mario Kart 8 eigentlich schon lieben. Außerdem ist bei den insgesamt 30 spielbaren Charakteren garantiert für jeden etwas passendes dabei, auch wenn ein silberner Mario nicht wirklich anders, als der normale Mario ist, aber wer will schon Mario spielen, wenn man endlich mit Bowser den immer siegenden Handwerker in die Schranken weißen kann?