Jennifer Rostock – Schlaflos

1. Juni 2014 um 17:27 Uhr

Anfang des Jahres erschien mit “Schlaflos” das vierte Album der deutschen Pop-Rock-Band “Jennifer Rostock”. Bis jetzt wurden die Lieder “Ein Schmerz und eine Kehle”, “Phantombild” und “K.B.A.G.” als Single veröffentlicht, wobei durch die diverse Social Media Kanäle wohl das Lied “Schlaflos” das bekannteste des Albums sein dürfte. Was sich noch auf dem Album befindet und wie ich es allgemein einschätze, lest ihr im Testbericht.

Mit der Teilnahme am Bundesvision Song Contest im Jahr 2008 schaffte die gebürtig aus Usedom stammende Jennifer Weist mit ihrer Band Jennifer Rostock den Durchbruch. Erst ein Jahr zuvor gründete sich die Band in Berlin und inzwischen brachten die vier Musiker bereits ihr fünftes Studioalbum auf den Markt.

1. Zeitspiel
2. Phantombild
3. Du nimmst mir die Angst
4. Bis hier und nicht weiter
5. Ein Schmerz und eine Kehle
6. K.B.A.G.
7. Der blinde Passagier
8. Echolot
9.Wenn der Wodka zweimal klingelt
10. Hollywood
11. In den Sturm
12. Tauben aus Porzellan
13. Schlaflos

Der Opener des mit 13 Liedern überschaubaren Albums “Zeitspiel” ist ein typischer Jennifer Rostock Song: Treibende Beats, schneller Gesang und ein eingeschoben wirkendes Schreien der Sängerin. Oftmals wirkt es so, als will man vermeiden, dass Lieder zu brav erscheinen. Die Frage nach dem Zweck und inwieweit ein geschrienes “Du kannst nur verlieren, nur verlieren!” wirklich den Song besser oder einprägsamer macht. Das zweite Lied des Albums, Phantombild, welches schon als Single ausgekoppelt wurde, bietet leider auch keine Überraschungen, aber muss es ja nicht: Ordentlicher Pop, mit genügend Rock und eingängigen Text. “Du nimmst mir die Angst” ist hingegen recht ruhig und beschreibt das Gefühl, wenn man jemanden gefunden hat, der einen zur Seite steht und schützt. Gelungenes Liebeslied, aber leider ist der nächste Track, “Bis hier und nicht weiter” nicht einmal halb so gut. Der Text ist flach und wenn der Refrain nur aus

Bis hier und nicht weiter, nicht weiter, als hier.
Du kommst bis hier und nicht weiter, nicht weiter als hier
Bis hier und nicht weiter, nicht weiter, als hier.
Du kommst bis hier und nicht weiter, nicht weiter als hier

besteht, weiß man schnell, dass hier kein Meisterwerk abgeliefert wurde.

Die erste Single, welche von “Schlaflos” veröffentlicht wurde, ist “Ein Schmerz und eine Kehle” ist wieder geprägt von treibenden Pop mit wenig Rock, aber auf Konzerten dürfte dieses Lied durch den eingängigen Text beliebt sein. Mit “K.B.A.G.” liefert die Band hingegen ein tanzbares Lied mit ironischen Zeilen in bekannter Popmanier. Leider ist die rockige Art, in der der Song präsentiert wird, nicht konsequent genug durchgeführt, aber live dürfte auch dieser Song punkten.
“Der blinde Passagier” ist wieder etwas ruhiger und zeigt sehr gute textliche Ansätze, welche man sich durchgängig bei allen Liedern wünschen würde. Tanzbare Musik scheint bei Jennifer Rostock auszuschließen, dass der Text gehobener sein kann. Philosophische Betrachtung einer derzeit wohl häufig in der Gesellschaft vorkommenden menschlichen Verhaltensweise bietet aber nicht nur “Der blinde Passagier”, sondern auch “Echolot” versucht sich darin. Was dort aber zusammengereimt wurde, kommt leider nur im Ansatz an den Vorgänger heran. Ein typisches Jennifer Rostock Lied ist hingegen wieder “Wenn der Wodka zweimal klingelt”. Ein eher absurder, aber doch mit Raffinesse gespickter Text, trifft auf schnelle Rhythmen und bestimmende Gitarren. Beim Song ” Hollywood” zeigt sich wieder, dass es auch anders geht. Ruhiger Gesang leitet perfekt die Instrumente in eine nachdenkliche, aber sehr positive Gedankenwelt über.

Doch glaub mir:
In den Trümmern aus Asche und Schutt,
Wächst neues Gras, mach dich nicht kaputt.
Es ist, kein Tag wie in Hollywood

Zum Ende hin wird man mit “In den Sturm” eher in die Bedeutungslosigkeit gezogen. Wenig herausragendes und kaum Wiedererkennungswert zeichnen dieses Lied aus. Textlich wird viel Wind gemacht, aber
bei Zeilen wie

Dreh dich um, dreh dich in den Sturm
Stell dich quer, lass sie spürn dass wir am Leben sind.

fragt man sich, warum dieses Leben nicht auch im Spiel der Instrumente wiedergegeben wird. Hier wurde eher nach dem Leitbild “Hauptsache laut und schnell” gearbeitet. Von “Tauben aus Porzellan” kann man das nicht behaupten. Lyrisch anspruchsvoller und poppiger angehaucht verleiht das Lied dem Album einen gehobeneren Eindruck, als es das restliche Album vermarg. Der Anspruch der Band ist aber augenscheinlich sowieso ein anderer und das abschließende Lied und Namensgeber des Werks “Schlaflos” transportiert dies sehr gut:

Du bist so laut in meinem Kopf und alles dreht sich,
Ich versuch dich zu vergessen doch es geht nicht,
Ich lieg wach und bleib ratlos,
was soll ich tun? Du machst mich Schlaflos

Textlich wieder einmal nicht ganz anspruchsvoll, aber durchaus hörbar, fehlt diesem Song leider das gewisse Etwas. Wie fast das gesamte Album wirkt es zwar ganz gut, aber niemand würde behaupten, dass die Band damit auch nur annähernd ein Meisterwerk abgeliefert hat. Mitleidig wirkender Gesang gepaart mit steigenden Beats, die dann aber doch nie einen Abschluss finden, überlassen den Hörer ein Gesamtwerk, was nie vollkommen komplett zu sein scheint.

Fazit

Wie es schon in einem Lied vom Vorgängeralbum heißt:”Es war nicht alles schlecht”.
Das neuste Werk von Jennifer Rostock hält, was man erwartet: Viel tanzbares, etwas nachdenkliches und philosophisch angehauchtes und ein paar Ausreißer. Für das Nebenbeihören sicherlich mehr als zu gebrauchen, aber Hörer, die eher Texte à la Grönemeyer, Naidoo oder Thomas D. bevorzugen, werden eher gelangweilt. Betrachtet man die vorherigen Alben kann man aber eine deutliche Steigerung, was die textliche Tiefe angeht, bemerken. Inzwischen ist Jennifer Rostock viel mehr als nur ein Tokio Hotel für Ältere oder ein rockiger Abklatsch von “Juli”. Fans können genauso, wie Liebhaber von deutscher Musik, die im Bereich pop-rock angesiedelt ist, zugreifen.

Wie gefällt euch das Album oder allgemein deutsche Musik? Ist der Markt langsam gesättigt?
Für alle, die nicht selbst zugreifen wollen, aber trotzdem Interesse an “Schlaflos” von Jennifer Rostock haben, können ihre Meinung hinterlassen und mit etwas Glück ein Exemplar des Albums in der Deluxe Version gewinnen.

Gewinnspielschluss ist am 6. Juni um 19 Uhr. Das Gewinnspiel steht selbstverständlich in keinen Verhältnis zu Jennifer Rostock oder Warner Music. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und die Gewinnspielteilnahme ist ab 18 Jahren möglich. Viel Glück!