Emil Bulls – Sacrifice to Venus

8. August 2014 um 17:46 Uhr

Heute, am 8. August 2014, hatte für viele Fans der erfolgreichen Metal-Band Emil Bulls das jahrelange Warten ein Ende: Mit dem neuen Album “Sacrifice to Venus” erschien nach 3 Jahren der Enthaltsamkeit das neue Album der Münchner und ich habe es für euch unter die Lupe genommen.

neu19 Jahre nach der Gründung und nach diversen, mal freiwillig und mal weniger freiwilligen, Umbesetzungen sind die vier Männer rund um Sänger Christoph von Freydorf von Emil Bulls mit ihrer neuen Langspielplatte “Sacrifice to Venus” zurück. Nach den letzten für mich grandiosen, aber für viele Kritiker zu “lieben” Alben und unzähligen Konzerten wurde heute das inzwischen, independent Veröffentlichungen mitgerechnet, dreizehnte Album der Bayern veröffentlicht. Ob das Album, wie die Zahl dreizehn, Pech bringt oder ein erneutes musikalisches Kunststück geworden ist, habe ich für euch versucht herauszuhören.

Der Opener “The Grave” verdient den Titel “Einstand nach Maß”: Satte Gitarrenriffs und die unverwechselbare Stimme von Herrn von Freydorf machen den Song zu einen Ohrwurm für alle Metaljünger. Fans fühlen sich zudem an frühere Werke, wie “To End All Wars” oder “All Systems Go” erinnert.
Der zweite Track “Hearteater” ist hingegen treibender und textlich durchaus reifer, aber nicht weniger untypisch für Emil Bulls. Ich fühlte mich direkt an “Ghosts” erinnert, wenn auch die “Schreieinlagen” im Verhältnis zu früheren Werken besser eingepasst scheinen. Bei Zeilen wie

Gotta suck this poison out of my veins
The monster has got to be enchained
Contain the beast with reason’s flame
A Hearteater can not be tamed

muss man, denke ich, aber auch keine weiteren großen Worte verlieren.

Das vorab bereits über diverse Wege promotete Lied “Pants down” passt sich rücksichtslos in das Gesamtgefüge ein: Guter Text, harter treibender Beat und für Fans sicherlich eines der bevorzugten Werke für die anstehenden Konzerte. Ruhig sitzen – beziehungsweise stehenzubleiben dürfte zumindest Genrefreunden schwer fallen.

Mit “I wanna feel you” zeigt die Band ihre weichere Seite. Kann man in anderen Songs die tiefgründige Emotionalität höchstens in den Texten erahnen, ist das vierte Stück des Albums auch musikalisch ruhiger und lässt sich am ehesten mit “Dancing on the moon” vom Album Oceanic vergleichen, wenn auch “I wanna feel you” einen angenehm flotten Aufbau. Die chorartigen Einlagen lassen zudem für live Auftritte Interaktionsmöglichkeiten mit den Fans offen.

“Rainbows and butterflies” ist für viele Fans das herausragende Stück, wobei es für mich eher typisch Nu-Metal ist: Hart, schnelle melodische Abfolge und viele Kanten.

In diese Kerbe schlagen auch “The way of the warrior” und “The Reckoning”, wobei beim Letztgenannten mein sehr gemochtes Stylemittel verwendet wird. Wenn Christoph sein Gesangstalent wirklich zeigt und wirklich singt, anstatt zu schreien, mag ich die Musik einfach lieber. (Falls jemand eine bessere Umschreibung oder gar einen Begriff dafür kennt, dann nur her damit. Ich höre Musik und mache mir dabei keine Gedanken über Termini)

Song acht, “The age of revolution” macht fast alles richtig. Man kann abgehen, mitsingen oder sich treiben lassen, aber mir fehlt irgendwie das gewisse Extra, aber vielleicht ist dieses Lied auch eines derer, welches ich mehrmals hören muss, damit es mir richtig gefällt. Textlich hat es zumindest die Voraussetzungen für einen Charterfolg.

Namensgebend und wohl der Song, der es vermag, das Gesamtwerk am treffensten wiederzuspiegeln, leutet “Sacrifice to Venus” die letzten Tracks der Platte ein. Scheinbar ohne große Mühen kann dieser begeistern. Man bekommt, was man erwartet und keinen Schnickschnack.

“Gone baby gone” stimmt wieder ruhigere Töne an und eignet sich zum Träumen und entspannteren Zuhören. Während man sich sonst einfach bewegen muss, kann man hier dem Text lauschen und hört, dass Emil Bulls eben nicht nur laut und hart sein können, sondern auch eine wirklich gut ausgeprägte andere Seite haben. Fehlendes Talent kann man den Jungs zumindest nicht absprechen. “Gone baby gone” könnte gut und gerne auch in einer etwas schwächeren Version einer Boygroup unterjubeln und man würde es passend finden.

Dieser Gedanke verschwindet aber sehr schnell bei “Man or mouse” wieder. Der Titel ist Programm: Mann oder Maus? Beides geht nicht und der Song dürfte deswegen nicht nur Männern gefallen. Auf Konzerten der inzwischen nicht mehr ganz so jungen Männer tummeln sich genügend Frauen, die die Band genau wegen solcher Lieder lieben. Abgehen und Sorgen und Probleme vergessen. Mäuse können das jedenfalls nicht.

“Keep on dreaming” ist, obwohl der Name etwas anderes vermuten lässt, aber nicht weniger treibend und mitgröllfähig. Handwerklich wie fast immer durchweg ansprechend, lässt hier auch das textliche keine Kritik zu.

Das Endstück des Albums bildet “Behind the sun”: Opulent beginnend bauen Gitarren und das Schlagzeug im perfekten Zusammenspiel eine dichte Atmosphäre auf und wenn der Gesang einsetzt, fühlt es sich wie früher an. Zugegebenermaßen war nicht jedes Album von Emil Bulls ein Meisterwerk, aber “Behind the sun” zeigt, worauf es ankommt. Ruhig und doch treibend. Melodisch gelungen und immer etwas anders, als andere. Emil Bulls ist mehr als nur “Katzengeschrei”, wie man es vielen anderen Metalgruppierungen nachsagt. Auf “Sacrifice to Venus” sind die Songs durchweg passend aufgebaut und die jeweilige Stimmung und Thematik wird beeindruckend transportiert.

Unabhängig davon, haben sich die Jungs (oder ihr Management) für die Fans zudem einiges einfallen lassen.
Wie auf dem Bild zusehen, gibt es das Werk auch als limitiertes Set samt Autogrammkarten und Kopfhörern. Die Kopfhörer sind, nicht wie bei anderen Bands, erstaunlich gut verarbeitet und haben einen satten Sound. Durch die Basslastigkeit passen sie zudem perfekt zur Musik von Emil Bulls und runden das Erscheinungsbild trefflich ab. Für Fans ist “Sacrifice to Venus” ein Pflichtkauf und muss sich nicht hinter den alten Perlen der Band verstecken. Szenefreunde sollten zudem mindestens einmal Reinhören und unvoreingenommen die Songs wirken lassen. Deutsche Metalbands und vor allem Emil Bulls stehen leider viel zu oft im Schatten von ausländischen Musikern, aber auf “Sacrifice to Venus” hat dieser Schatten nicht zu suchen. Es gibt, nicht wie bei den Vorgängern, keinen negativen Ausreißer, aber einige Schmuckstücke, welche auch Nicht-Fans begeistern dürfte.