Early Access – Fluch oder Segen?

9. Juni 2014 um 17:14 Uhr

Früher wurden Spiele, die sich noch in der Entwicklung befanden, per Demo den potentiellen Käufern schmackhaft gemacht, aber heute gehen immer mehr Entwickler einen anderen Weg: Vor allen kleinere Studios lassen Interessierte keine Demo spielen um einen Vorgeschmack zu gewähren, sondern bieten ihr Spiel als “Early Access” an. Dabei befinden sich die Spiele noch in einer sehr frühen Version und sind einmal immer spielbar, aber ist das der neue (bessere) Weg um Käufer zu finden und zu binden?

Wirfst man einen Blick auf die derzeit beliebtesten Computerspiele, so fällt auf, dass neben großen Namen von noch größeren Entwicklerstudios auch einige unbekannte Entwickler scheinbar den großen Erfolg mit jahrelanger Heimarbeit feiern könnten. Sieht man dann aber genauer hin, stellt man bei vielen fest, dass die Spiele noch in der Alpha oder Beta vorliegen und damit unfertige Spiele manchmal Millionen begeistern. Das wohl bekannteste Beispiel, wenn auch etwas anderes gestrickt, dürfte Minecraft sein, was inzwischen über 35 Millionen mal verkauft wurde. Doch was macht die augenscheinliche Faszination von eigentlich unfertigen Spielen aus? Wieso lässt sich ein Spieler zum Betatester machen und muss dafür noch bezahlen? Hat die alte Strategie der Kundengewinnung über die Veröffentlichung von Demos ausgedient oder ist das veröffentlichen von Early Access-Spielen vielmehr nur kleineren Entwicklern vorbehalten?

Was sind Early Access Spiele?

Unter Early Access versteht man die frühzeitige Veröffentlichung. Noch bevor ein Spiel die abschließenden Tests überstanden hat, können Interessierte das Game spielen, aber müssen dafür schon den vollen Preis bezahlen. Durch das Geben von Feedback und das Melden von Fehlern können die Spieler aber auch mehr oder weniger großen Einfluss auf die (Weiter)-Entwicklung des Spiels nehmen.

Was sind die Vorteile für die Entwickler?

Kleinere Entwicklerstudios erhalten durch die Spieleverkäufe im Early Access erstes Geld, was sie gezielt in die weitere Entwicklung ihrer Software stecken können. Scheiterten früher sehr gute Ansätze und Spielideen an fehlenden Sponsoren und Unterstützern, so kann man heute, wenn man es geschickt angeht, einen Großteil der Finanzierung über die Einnahmen aus der frühzeitigen Veröffentlichung generieren. Außerdem entdecken Spieler nicht nur offensichtliche Fehler oder Bugs, sondern können mit ihren Inhaltswünschen auch neue Ideen, die auch wirklich von den Spielern gewollt werden, einbringen.

Was sind die Vor – und Nachteile für die Spieler?

Wer kauft schon eine erweiterte Demo zum Preis eines Vollpreistitels? Niemand, aber Early Access Spiele sind in der überwältigenden Mehrzahl viel mehr als zu groß geratene Demos, sondern innovative Spiele ohne große Marketingagentur, die zwar noch ein paar Macken haben, aber trotzdem viel Spaß machen können. Die derzeit beliebtesten Early Access Spiele sind zudem – im Vergleich zu fertigen Spielen – meistens wesentlich günstiger. Betrachtet man ein CoD oder ein FIFA liegen die Preise bei weniger als der Hälfte und man kann das nicht immer damit begründen, dass Early Access Spiele ja auch noch nicht fertig sind. Jeder kennt diverse Bugs in fertigen Spielen und dann stellt sich die Frage: Was haben die Betatester nur falsch gemacht? Wenn ein Early Access Spiel erst einmal fehlerfrei ist, dann hat man für 15 bis 20 Euro aber auch wirklich keine Bugs mehr und nicht wie bei einem 40 Euro Spiel ärgerliche Schnitzer, die manchmal auch nach Monaten des Bekanntseins nicht gepatcht werden.

Natürlich gibt es aber auch einige Nachteile, wenn man sich auf das – Vorsicht Doppelbedeutung – Spiel mit Ealry Access Spielen einlässt. Nicht immer sind die Spiele schon wirklich spielbar. Die ersten Versionen von Minecraft konnte man schon sehr gut auch über Stunden spielen, aber das zum Beispiel derzeit sehr beliebte “The Forest” lässt einen die Freude über ein neues Spiel leider relativ schnell vergehen. Savegamebugs oder Frameeinbrüche nach einer gewissen Spielzeit sind nur einige unangenehme Nebeneffekte, die aber durch die schnelle Kommunikation zwischen Community und Entwicklern aber auch relativ schnell gefixt werden. Bei anderen Spielen und hier möchte ich nur einmal “Rust” einwerfen, zeigen sich aber noch mehr Nachteile. Hier wurde Anfangs schnell gepatcht und auf Wünsche eingegangen, aber irgendwann kommen kleine Entwicklerstudios scheinbar nicht mehr kundenorientiert hinterher und die Spieler sind enttäuscht. Durch solche Verzögerungen bei der Behebung von Bugs kann man sich das Spiel als Marke durch Early Access für allezeit kaputt machen.
Außerdem hat Steam, einer der bekanntesten Anbieter für den Onlinevertrieb von Spielen, vor kurzen neue Regeln für Early Access eingeführt. Seit neusten müssen Entwickler, die es nicht schaffen ihre Spiele fertig zu entwickeln, die bereits gezahlten Beträge nicht mehr zurück erstatten. Im schlimmsten Fall kauft man sich damit ein Spiel für 20 Euro und wird immer mit einigen Bugs leben müssen.

Wie könnte die Zukunft aussehen?

Wurde früher noch unbemerkt an einem Spiel gearbeitet, so bietet Early Access für die Entwickler ungeahnte Möglichkeiten. Mit den Verkäufen kann man finanziell gesichert am Spiel weiterarbeiten und erhält zudem durch die Spieler neuen Input. Große Entwicklerstudios sind auf die finanziellen Aspekt selbstverständlich eher weniger interessiert, weswegen diese wohl auch in Zukunft, wenn überhaupt, auf Demos setzen. Die meisten Studios, die Triple-A-Titel der letzten Zeit entwickelt haben, setzten zudem nur noch auf aufwendige Marketingaktionen im Zusammenspiel mit beeindruckenden Trailern. Demo-Versionen findet man zwar noch immer, aber der allgemeine Trend geht zumindest bei größeren Studios weg davon. Für kleinere oder sogar Ein-Mann-Studios bietet die Möglichkeit das eigene Spiel als Early Access herauszubringen eine echte Chance auf Erfolg im hart umkämpften Videospielmarkt. Über YouTube und andere viral wirkende Medien kann zudem die Bekanntheit rasant gesteigert werden, was neue Käuferschichten generieren kann.

Fazit

Der Erwerb von Spielen, die als Early Access angeboten werden, hat zwar auch einige Nachteile, aber die Vorteile sind nicht nur nicht von der Hand zu weisen, sondern überwiegen auch deutlich. Wer will nicht aktiv an der Entwicklung eines Spiels, von der Alpha zum fertigen Spiel teilnehmen? Bei den meisten Spielen kann man sich zudem sicher sein, dass sie fertiggestellt werden und man für geringen Einsatz großen Gewinn in Form von monatelangen Spielspaß erhält. Durch die direktere Einbindung der Community ist zudem die Wahrscheinlichkeit, dass auch nach Jahren noch Patches erscheinen und das Spiel mit neuen Inhalten verbessert und erweitert wird.